# Bach – Kantate BWV 134: Ein Herz, das seinen Jesum lebend weiß
Leben und Entstehung
Die Kantate „Ein Herz, das seinen Jesum lebend weiß“ (BWV 134) von Johann Sebastian Bach wurde für den zweiten Osterfeiertag des Jahres 1724 in Leipzig komponiert und am 11. April dieses Jahres erstmals aufgeführt. Sie ist ein herausragendes Beispiel für Bachs Technik der Parodie, bei der er existierende musikalische Werke – in diesem Fall eine weltliche Komposition – zu neuen geistlichen Zwecken umarbeitete. Die musikalische Grundlage bildete die weltliche Serenata „Die Zeit, die Tag und Jahre macht“ (BWV 134a), die Bach 1719 anlässlich der Neujahrsfeierlichkeiten am Hofe in Köthen komponiert hatte. Der unbekannte Textdichter der geistlichen Kantate (möglicherweise Bach selbst oder Christian Friedrich Henrici, genannt Picander) passte das Libretto geschickt an die theologische Botschaft der Auferstehung an, wobei die musikalische Struktur und viele Motive der weltlichen Vorlage erhalten blieben. Diese Umarbeitung ist ein Zeugnis von Bachs Genialität, weltliche Freude in tiefgründige geistliche Exultation zu verwandeln und musikalische Ressourcen effizient zu nutzen.Das im Titel genannte Rezitativ „Auf, auf, mein Herz, und du, mein ganzer Sinn“ ist der zweite Satz der Kantate BWV 134 und wird vom Tenor vorgetragen. Es ist eine direkte Parodie des Rezitativs „Auf, auf, mit hellem Schall“ aus BWV 134a, wobei Bach die Musik beibehielt und den Text dem geistlichen Kontext anpasste, um die innere Aufforderung zur geistlichen Erweckung zu vermitteln.
Werk und Eigenschaften
Die Kantate BWV 134 ist für einen vierstimmigen Chor (SATB), zwei Oboen, zwei Violinen, Viola und Basso continuo geschrieben. Für spätere Aufführungen um 1731 erweiterte Bach die Besetzung um drei Trompeten und Pauken, was den festlichen Charakter noch verstärkte. Die Struktur der Kantate umfasst sieben Sätze:1. Chor: „Ein Herz, das seinen Jesum lebend weiß“ – Ein strahlender Eröffnungschor, der die Gewissheit des Glaubens an den auferstandenen Jesus feiert. 2. Rezitativ (Tenor): „Auf, auf, mein Herz, und du, mein ganzer Sinn“ – Eine Aufforderung an das Herz und den Geist, die Auferstehung anzunehmen und die Freude zu empfinden, die der wiedererstandene Heiland bringt. Dieser Satz dient als Übergang vom allgemeinen Chorgesang zur individuellen Reflexion. 3. Aria (Tenor): „Wohl dir, mein Herz, in dieser Zeit“ – Eine lyrische Arie, die die Glückseligkeit des glaubenden Herzens preist. 4. Rezitativ (Bass): „Ja, ja, ich kann die Feinde schlagen“ – Eine kämpferische Erklärung des Sieges über Sünde und Tod durch Jesu Auferstehung. 5. Aria (Bass): „Ich lebe, mein Herze, zu deinem Ergötzen“ – Eine virtuose Arie, die die persönliche Beziehung zwischen dem Gläubigen und dem auferstandenen Herrn ausdrückt. 6. Rezitativ (Tenor, Bass): „Nun beißt das alte Schlangengift“ – Ein Duett-Rezitativ, das die Überwindung des Bösen durch Christi Sieg thematisiert. 7. Chor: „Erschallet, ihr Himmel, erfreue dich, Erde“ – Ein triumphierender Schlusschor, der Himmel und Erde zur Freude über die Auferstehung aufruft.
Das Rezitativ „Auf, auf, mein Herz, und du, mein ganzer Sinn“ ist ein typisches Beispiel für Bachs expressive Deklamation. Es ist musikalisch eher schlicht gehalten, um den Text klar verständlich zu machen, dient aber als emotionale Brücke, die den Hörer vom Jubel des Chores in die persönliche Auseinandersetzung mit dem Ostergeschehen führt und auf die folgende Arie vorbereitet.
Bedeutung
BWV 134 ist von großer Bedeutung sowohl für das Verständnis von Bachs Kompositionstechnik als auch für die Aufführungspraxis geistlicher Musik im 18. Jahrhundert. Sie demonstriert eindrucksvoll Bachs Fähigkeit, bereits vorhandenes musikalisches Material neu zu kontextualisieren und ihm durch die Parodie eine tiefere, geistliche Dimension zu verleihen. Die Kantate ist ein Meisterwerk der Osterfreude, das die Gewissheit der Auferstehung Christi mit musikalischer Brillanz und emotionaler Tiefe feiert. Sie war ein fester Bestandteil von Bachs Leipziger Kantatenjahrgängen und spiegelt die theologische Botschaft des Osterfestkreises wider.Das spezifische Rezitativ „Auf, auf, mein Herz, und du, mein ganzer Sinn“ ist paradigmatisch für Bachs Umgang mit Rezitativen, die oft als Momente der Reflexion und inneren Einkehr dienen. Es ruft den Einzelnen auf, sich aktiv am Ostergeschehen zu beteiligen und die Bedeutung der Auferstehung persönlich zu verinnerlichen. Diese Kantate bleibt ein lebendiges Zeugnis von Bachs unerschöpflicher Kreativität und seinem tiefen Glauben, der in jedem Ton seiner Musik spürbar wird.