Leben/Entstehung
Der „Sonnengesang“, ein Meisterwerk der mystischen Dichtung und eines der frühesten literarischen Zeugnisse in italienischer Volkssprache (dem umbrischen Dialekt), wurde von dem Heiligen Franz von Assisi (Giovanni di Pietro di Bernardone) vermutlich im Herbst 1224 verfasst. Seine Entstehung fällt in eine Zeit schwerer körperlicher Leiden, darunter fast vollständige Blindheit und die Stigmata, die er auf dem Berg La Verna empfing. Trotz dieser Entbehrungen komponierte Franziskus, wohl in einer Hütte nahe San Damiano bei Assisi, diesen Hymnus als Ausdruck tiefer Freude und unerschütterlichen Glaubens. Er gilt als revolutionäres Zeugnis einer neuartigen Spiritualität, die Gott nicht nur in der Kirche, sondern in der gesamten belebten und unbelebten Schöpfung erkennt und preist.Werk/Eigenschaften
Der „Sonnengesang“ ist ein einzigartiges Beispiel für die poetische und theologische Tiefe der franziskanischen Spiritualität. Der Text lobpreist Gott nicht abstrakt, sondern unmittelbar durch seine Werke: Bruder Sonne, Schwester Mond, die Sterne, Wind, Wasser, Feuer und Mutter Erde. Er schließt auch die Vergebung und den Tod (Schwester Tod) in diesen kosmischen Lobpreis ein, was eine radikale Akzeptanz der menschlichen Existenz in ihrer Ganzheit offenbart. Die einfache, doch bildgewaltige Sprache, durchzogen von Alliterationen und Assonanzen, verleiht dem Text eine inhärente Musikalität und rhythmische Struktur, die ihn für musikalische Vertonungen prädestiniert. Das berühmte Incipit „Altissimu, omnipotente bon Signore, / Tue so’ le laude, la gloria e l’honore et onne benedictione.“ setzt den Ton für eine universelle Anbetung.Die musikalischen Adaptionen des „Sonnengesangs“ sind ebenso vielfältig wie die Epochen und Stile, in denen sie entstanden sind. Von schlichten Vokalwerken bis hin zu opulenten Oratorien haben Komponisten die spirituelle und poetische Kraft des Textes auf unterschiedliche Weise ergründet. Zu den prominentesten Vertonungen zählen:
Diese Beispiele demonstrieren die anhaltende Faszination, die der Text auf Komponisten unterschiedlicher Ästhetik ausübt, und wie er stets zu neuen musikalischen Ausdrucksformen inspiriert.