# Kittel, Johann Christian: Arien und Kantaten
Leben
Johann Christian Kittel (1732–1809) war eine zentrale Figur der deutschen Musikgeschichte des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Geboren in Erfurt, hatte er das Privileg, von 1748 bis 1750 der letzte Privatschüler Johann Sebastian Bachs in Leipzig zu sein, eine prägende Erfahrung, die sein gesamtes musikalisches Schaffen beeinflusste. Nach Bachs Tod wirkte Kittel als Organist in Merseburg (ab 1751) und Langensalza (ab 1756), bevor er 1762 die angesehene Position des Organisten an der Barfüßerkirche in seiner Heimatstadt Erfurt übernahm, wo er bis zu seinem Tod tätig war und später auch an der Predigerkirche wirkte. Kittel genoss einen Ruf als herausragender Orgelvirtuose, begnadeter Pädagoge und theoretischer Denker. Seine lange Karriere spannte sich über epochale Stilwenden, und er pflegte unter anderem eine Freundschaft mit Johann Wolfgang von Goethe.Werk: Arien und Kantaten
Obwohl Johann Christian Kittels Hauptschaffen und seine größte Bekanntheit seinen umfassenden Orgelwerken galten, zu denen didaktische Werke wie die „Große Orgelschule“ gehören, umfasst sein Œuvre auch eine beachtliche Anzahl an Vokalkompositionen, darunter Arien, Lieder und einige Kantaten. Diese Vokalwerke, obwohl in der Forschung seltener im Fokus als seine Orgelmusik, sind von großer stilistischer Bedeutung für das Verständnis der musikalischen Übergangsphase vom Spätbarock zur Frühklassik.Zu den bekannteren Beispielen seiner Kantaten zählt etwa „Der Herr erhört die Frommen“, aber auch zahlreiche Arien und Lieder finden sich in verschiedenen Sammlungen der Zeit. Stilistisch zeichnen sich Kittels Arien und Kantaten durch eine reizvolle Mischung aus tradierter Bachscher Satzkunst und den neuen Strömungen des *Empfindsamen Stils* und der beginnenden Klassik aus. Sie zeigen:
Die Texte seiner Kantaten waren überwiegend geistlicher Natur und für den liturgischen Gebrauch bestimmt, während seine Arien und Lieder sowohl geistliche als auch weltliche, oft lyrische Themen aufgriffen. Die Instrumentation war meist kammermusikalisch gehalten, oft mit Generalbass und gelegentlich obligaten Soloinstrumenten, die die Gesangsstimme umspielten.