Komponisten A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Leben Werke Geschichte Einspielungen Literatur Zuletzt Fachwort Werke - Benutzer Rechte Komponist Nach-/Vorname: geboren: gestorben: Leben: Giovanni Pierluigi da Palestrina wurde um 1525 in der kleinen, ungefhr 40 km von Rom entfernten Landstadt Palestrina geboren. Sein Vater Sante Pierluigi war vermutlich ein kleiner Gutsbesitzer und Weinbauer gewesen und hatte mit seiner ganzen Familie dem kleinen Brgertum jener einstmals als etruskisch-rmisches Praeneste bedeutenden Siedlung der Antike angehrt. Man darf annehmen, da Giovanni Pierluigi, der spter den Namen seines Geburtsortes zu seinem eigenen machte, schon sehr frh im Chor des Domes seiner Vaterstadt gesungen hatte, nachdem er 1537, also im Alter von ungefhr 12 Jahren, als Chorknabe an der Kirche Santa Maria Maggiore in Rom Aufnahme fand. Gewohnt drfte er bei einer Tante haben, die am Stadtrand eine Herberge betrieb. Er war unter dem Namen Joannes de Palestrina einer der sechs Chorknaben der Kirche, die von Giaccomo Coppola und Rubino Malapert unterrichtet und dirigiert wurden. Er selbst nannte sich Gianetto Prenestino oder Palestrino oder auch lateinisch Petraloisius Praenestinus. Im Jahre 1540 bernahm Firmin le Bel, der vermutlich Schler Josquins war, die Leitung und die Ausbildung der Knaben. Seine erste Stelle erhielt er 1544 in seiner Heimatstadt als Kapellmeister und Organist. Mit dieser Ttigkeit erwarb er sich die Aufmerksamkeit und Zufriedenheit des Bischofs von Palestrina, Kardinal Giovanni Maria Ciocchi del Monte, der 1550 als Julius III. Papst wurde und den Organisten aus Palestrina 1551 als Singmeister des Knabenchores und Kapellmeister an die Cappella Giulia von San Pietro nach Rom berief. Palestrina bedankte sich bei seinem Gnner mit der Widmung des ersten Buches seiner Messen, von denen die erste den Titel Ecce sacerdos magnus (Siehe den hohen Priester) trug. Im Jahre 1555 wurde Palestrina auf Sonderanordnung des Papstes ohne weitere Formalitten oder Prfungen in die Cappella Sistina als Snger aufgenommen, wenngleich er kein Priester war, sondern 1547 Lucrezia de Gori geheiratet hatte. Jedoch Julius III. verstarb noch im gleichen Jahr (am 23. 3.). Sein Nachfolger Marcellus II. (Marcello Cervini) brachte Palestrina die gleiche Wertschtzung entgegen, starb aber wenige Wochen nach seiner Inthronisation (am 1. 5. 1555). Der nchste auf dem Heiligen Stuhl war Paul IV. (Ciampetro Caraffa), der als unduldsamer Eiferer mittels eines Motu proprio Palestrina, Leonardo Barre und Domenico Maria Ferrabosco als verheiratete Individuen, die zum Skandal des Gottesdienstes und der heiligen Kirchengesetze mit den ppstlichen Kapellsngern zusammen lebten mit einer rmlichen Pension entlie (30. 7. 1555). Die finanzielle Einbue hatte Palestrina offenbar weniger getroffen als die persnliche Krnkung. Er und seine Frau waren nicht unbemittelt, berdies trat er bereits am 1. 10. des gleichen Jahres die Kapellmeisterstelle an San Giovanni in Laterano, der zweiten Hauptkirche Roms, an, gab aber bereits 1560 diese Ttigkeit wegen zu knapper Dotierung der Kapelle wieder auf und bernahm im folgenden Jahr die Kapellmeisterstelle an der dritten Hauptkirche der Stadt, Santa Maria Maggiore, wo er als Chorknabe seine Ausbildung genossen hatte. 1566 wurde er mit der gleichen Funktion am Collegium Romanum der Jesuiten, das als gegenreformatorische Manahme zur Heranbildung deutscher Priester gegrndet worden war, betraut. Unter seinen Schlern befanden sich damals seine beiden Shne Rodolfo und Angelo. Aber auch dort hielt es ihn nicht lange; 1567 wurde ihm die Kapellmeisterstelle am Hof des Kardinals Ippolito d'Este II. in Rom und in Tivoli bertragen. Im gleichen Jahr knpfte er Verhandlungen mit dem Wiener Hof an. Kaiser Maximilian II. hatte ihm ein gutes Angebot gemacht, das er aber angeblich wegen zu hoher Honorarforderungen Palestrinas zurckzog. Mglicherweise verfolgten diese Verhandlungen nur taktische Zwecke. Im Jahre 1571 wurde der Meister an die Peterskirche zurckberufen, um die durch den Tod des Komponisten Giovanni Animuccia vakant gewordene Kapellmeisterstelle an die Cappella Giulia zu bernehmen. In die Cappella Sistina wurde er nicht mehr aufgenommen. Er war kein Snger mehr - seine Stimme war immer dnn gewesen - und konnte daher vom Sngerkollegium abgelehnt werden. Papst Pius V. (Antonio Ghislieri, 1566-72) vermochte dies ebensowenig durchzusetzen wie spter Papst Sixtus V. (Felice Peretti, 1585-90), der ihn zum Kapellmeister bestellen wollte und sich damit begngen mute, ihn zum Komponisten der ppstlichen Kapelle zu ernennen. Am 13. 5. 1572 gelangte Ugo Buoncampagni als Gregor XIII. (1572-85) auf den ppstlichen Stuhl. Er fhlte sich den groen Trgern seines Namens verpflichtet und wollte ihre Reformen fortsetzen. Neben vielen Manahmen zur Aktivierung der Gegenreformation, der genauen Durchfhrung der bereits gefaten Beschlsse des Konzils von Trient, das seit 1545 lief, und der nach ihm benannten umfassenden Kalenderreform beabsichtigte er, den Gregorianischen Choral zu revidieren und neu zu beleben, und bertrug die Bearbeitung der musikalischen Seite des Vorhabens Palestrina und Annibale Zoilo. Diese Arbeiten gerieten aber bald ins Stocken, weil seitens Philipps II. von Spanien gegen die Entfernung einzelner Melismen Einspruch erhoben wurde. Erst Felice Anerio und Francesco Suriano stellten 1614 die geplante Neuausgabe des Chorals fertig (Editio Medicaea). Neben seinem Wirken an der Peterskirche war Palestrina als Kapellmeister der Verwandten des Papstes, der Frsten Buoncampagni, und als Leiter der Musikschule seines Schlers Giovanni Maria Nanino ttig. In jenen Jahren wurden seine Shne Rodolfo und Angelo wie sein Bruder Silla, die alle drei als Musiker und Komponisten ttig waren, durch die Pest hinweggerafft. Am 23. B. 1580 starb seine Frau Lucrezia. Kurz darauf ging Palestrina die Ehe mit der wohlhabenden Pelzhndlerswitwe Virginia Dormili ein (23. 3. 1581), die ihn um 17 Jahre berlebte. 1583 lud der Komponist Guglielmo Gonzaga, Herzog von Mantua, Palestrina, mit dem er schon lngere Zeit in Verbindung gewesen war, zu sich und bot ihm die Leitung seiner Hofkapelle an. Angeblich sollen auch diese Verhandlungen an den berhhten Honorarforderungen des Meisters gescheitert sein. In Wahrheit drfte auch hierbei die Anhnglichkeit Palestrinas an Rom ausschlaggebend gewesen sein. Palestrina war nie arm, und seine zweite Ehe hatte ihn zum wohlhabenden Mann gemacht. Wenn man ihm nachsagte, da er stark am Geld hing und nie mit den angebotenen Honoraren zufrieden war, wurde dabei bersehen, da er sich seines Wertes eben bewut war und sich nicht billig verkaufen wollte und mute. Da es zwischen dem Herzog von Mantua und Palestrina wegen der zerschlagenen Verhandlungen zu keiner Verstimmung gekommen ist, beweisen die 10 Messen, die der Rmer dem Mantuaner widmete. Es ist anzunehmen, da Palestrina neben seinem Wirken als Kapellmeister und Komponist auch eine rege Ttigkeit als Lehrer entfaltet hat. Es sind aber nur wenige Komponisten bekannt, die sich als echte Schler (und nicht nur im bertragenen Sinn) bezeichnen durften. Neben seinem dritten Sohn Iginio, der den Vater berlebte, knnen nur Giovanni Maria Nanino, Annibale Stabile, der Verwandte seiner zweiten Frau Giovanni Andrea Dragoni, Francesco Suriano und Don Romano da Siena genannt werden. Am Beginn der neunziger Jahre wurde Palestrina auch von Kardinal Pietro Aldobrandini, dem Neffen Papst Clemens VIII. (Ippolito Aldobrandini, 1592-1605), des dreizehnten und letzten Papstes im Leben des Meisters, fr dessen Privatkapelle beansprucht. Jedoch Palestrina berkam die Sehnsucht nach seiner Vaterstadt, in deren Hauptkirche er als Kind gesungen und spter als Kapellmeister und Organist gewirkt hatte. Es war gewi nicht schwierig, die Kapellmeisterstelle neuerlich zu erhalten, kompliziert drfte es nur gewesen sein, sich den verschiedenen Verpflichtungen in Rom zu entziehen. Es gelang, doch zu spt, weil er erkrankte und am 2. 2. 1594 noch in Rom starb. Er wurde als Frst der Musik in der Peterskirche beigesetzt, im Zuge des Kirchenumbaues aber verlegt und nicht mehr zurckgebracht, so da seine Begrbnissttte in Vergessenheit geriet. Nation: