Leben
Giovanni Battista Pergolesi wurde am 4. Januar 1710 in Jesi, in der heutigen Region Marken, geboren und starb bereits am 16. März 1736 in Pozzuoli bei Neapel. Sein allzu kurzes Leben umfasste nur 26 Jahre, in denen er jedoch ein erstaunlich reifes und einflussreiches Werk schuf. Seine musikalische Ausbildung erhielt er ab 1725 am Conservatorio dei Poveri di Gesù Cristo in Neapel, einem der führenden musikalischen Ausbildungsstätten Europas. Dort studierte er Komposition bei Gaetano Greco und Francesco Durante sowie Violine. Bereits während seiner Studienzeit zeigte er außergewöhnliches Talent und wurde nach Abschluss seiner Ausbildung 1731 als einer der vielversprechendsten Komponisten seiner Generation angesehen. Er wirkte in Neapel als Kapellmeister am Hof des Fürsten Carafa di Maddaloni und später des Herzogs Marzio IV. Maddaloni. Seine Karriere war von gesundheitlichen Problemen überschattet; er litt an Tuberkulose, die letztlich zu seinem frühen Tod führte.
Werk
Pergolesis Œuvre umfasst sowohl geistliche als auch weltliche Werke, wobei er in beiden Genres bahnbrechende Beiträge leistete.
Opern
_La serva padrona_ (Die Magd als Herrin, 1733): Dieses komische Intermezzo ist Pergolesis bekanntestes Bühnenwerk und ein Schlüsselwerk der Opera buffa. Ursprünglich als Zwischenaktmusik für seine Opera seria *Il prigionier superbo* konzipiert, erlangte es eigenständigen Weltruhm und löste 1752 in Paris die berühmte „Querelle des Bouffons“ aus, einen ästhetischen Streit um die Vorzüge der italienischen komischen Oper gegenüber der französischen Tragédie lyrique. Das Werk zeichnet sich durch seine Melodienseligkeit, seine dramatische Ökonomie und seinen humorvollen Realismus aus.
_L'Olimpiade_ (1735): Eine Opera seria nach einem Libretto von Pietro Metastasio, die die Konventionen des Genres virtuos beherrscht und sich durch ihre elegante Linienführung und ausdrucksstarke Arien auszeichnet.
Weitere Opern wie *Salustia* (1732), *Il prigionier superbo* (1733) und *Adriano in Siria* (1734) festigten seinen Ruf als Meister der Bühne.
Geistliche Musik
_Stabat Mater_ (1736): Sein wohl berühmtestes geistliches Werk, komponiert kurz vor seinem Tod im Auftrag eines Adelsordens in Neapel als Ersatz für ein älteres Werk von Alessandro Scarlatti. Dieses Werk für zwei Solostimmen (Sopran und Alt), Streicher und Basso continuo gilt als Meisterwerk der Empfindsamkeit und des frühen Klassizismus. Es zeichnet sich durch eine zarte Melodik, tief bewegende Harmonien und eine ergreifende musikalische Darstellung des Leidens Mariens aus. Es wurde zu einem der meistaufgeführten und bearbeiteten geistlichen Werke seiner Zeit, unter anderem von Johann Sebastian Bach (als *Tilge, Höchster, meine Sünden*, BWV 1083).
Messen: Seine *Messe in F-Dur* (Neapolitanische Messe) ist ein weiteres bedeutendes Werk, das seinen Umgang mit dem konzertanten Kirchenstil der Zeit demonstriert.
Oratorien und weitere geistliche Gesänge, darunter verschiedene *Salve Regina*-Vertonungen.
Instrumentalmusik
Obwohl zahlenmäßig weniger umfangreich als seine Vokalwerke, schuf Pergolesi auch einige bemerkenswerte Instrumentalstücke, darunter Trio-Sonaten und Konzerte. Die Zuschreibung einiger dieser Werke ist jedoch bis heute Gegenstand musikwissenschaftlicher Diskussionen.
Bedeutung
Pergolesis Einfluss auf die europäische Musikgeschichte ist trotz seines kurzen Lebens immens:
Wegbereiter des Galanten Stils und der Frühklassik: Pergolesi gehört zu den Schlüsselgestalten des Übergangs vom Barock zur Klassik. Seine Musik zeichnet sich durch eine Abkehr von der barocken Komplexität zugunsten von Klarheit, Natürlichkeit und einfacher Schönheit aus, die typisch für den galanten Stil und die aufkommende Empfindsamkeit war. Er betonte die Melodie und eine klare, oft homophone Satzweise.
Entwicklung der Opera buffa: Mit *La serva padrona* trug er maßgeblich zur Etablierung und Popularisierung der Opera buffa bei, einem Genre, das die musikalische Komödie neu definierte und einen starken Einfluss auf spätere Komponisten wie Mozart und Rossini ausübte.
Ikone der geistlichen Musik: Sein *Stabat Mater* ist nicht nur ein Höhepunkt seiner eigenen Schaffensperiode, sondern auch ein zeitloses Meisterwerk der geistlichen Musik, das bis heute unzählige Zuhörer berührt und die Entwicklung des Oratoriums und der sakralen Kantate nachhaltig prägte.
Der „Pergolesi-Mythos“: Sein früher Tod trug zu einer romantischen Verklärung seiner Person bei. Zahlreiche Komponisten und Verleger schrieben ihm posthum Werke zu, um vom Ruhm seines Namens zu profitieren. Dies führte zu einer enormen Anzahl an Falschzuschreibungen, die die Forschung bis heute beschäftigt. Pergolesi wurde zum Archetyp des früh verstorbenen Genies, dessen künstlerische Leistung erst nach seinem Tod vollends gewürdigt wurde.
Exponent der Neapolitanischen Schule: Als einer ihrer prominentesten Vertreter prägte er maßgeblich den Ruf der Neapolitanischen Schule als Zentrum musikalischer Innovation im 18. Jahrhundert, deren Einfluss sich über ganz Europa erstreckte.