# Traetta, Tommaso (1727–1779)
Leben und Laufbahn
Tommaso Michele Francesco Saverio Traetta, geboren am 30. März 1727 in Bitonto (Apulien), war eine zentrale Figur in der Entwicklung der europäischen Oper des 18. Jahrhunderts. Seine musikalische Ausbildung begann am Conservatorio di Santa Maria di Loreto in Neapel, wo er Schüler so bedeutender Meister wie Nicola Porpora und Francesco Durante war. Diese prägende Phase legte das Fundament für seine spätere Meisterschaft in Komposition und Kontrapunkt.
Sein Debüt als Opernkomponist gab Traetta 1751 mit der Opera buffa *Il Farnace* in Neapel, gefolgt von zahlreichen weiteren erfolgreichen Werken, die seinen Ruf schnell festigten. Traetta zeigte früh eine bemerkenswerte Vielseitigkeit, die sowohl die komische als auch die ernste Oper umfasste. Ein entscheidender Karriereschritt erfolgte 1759, als er als Hofkomponist nach Parma an den Hof von Herzog Philipp von Bourbon berufen wurde. Diese Position, die er bis 1765 innehatte, ermöglichte ihm, in einem innovativen und progressiven künstlerischen Umfeld zu wirken. In Parma, einem Zentrum französischer Kultureinflüsse, kam er in Kontakt mit modernen theatralischen Ideen, die seine spätere Entwicklung maßgeblich prägten.
Nach seiner Zeit in Parma folgten Jahre intensiver internationaler Tätigkeit. Von 1768 bis 1775 diente Traetta als Hofkapellmeister am Hofe Katharinas der Großen in St. Petersburg, wo er die russische Opernbühne mit italienischer und französischer Opernkunst bereicherte. Hier entstanden unter anderem seine gefeierten Werke *Antigona* (1772) und *Lucio Vero* (1774). Trotz seines Erfolgs in Russland zog es ihn 1775 zurück nach Italien, wo er bis zu seinem Tod am 6. April 1779 in Venedig lebte und komponierte, wenn auch seine letzten Jahre von Krankheit gezeichnet waren. Ein kurzer, glückloser Aufenthalt in London im Jahr 1776 konnte seine Rückkehr nach Italien nicht verhindern.
Das Werk – Stil und Innovation
Traettas Œuvre umfasst über 40 Opern, darunter zahlreiche Opera seria und Opera buffa, sowie geistliche Werke. Sein Musikstil ist geprägt von einer beeindruckenden Verschmelzung der Eleganz der Neapolitanischen Schule mit einer zunehmend dramatischen Tiefe und orchestralen Ausdruckskraft, die ihn als einen der Hauptarchitekten der Opernreform des 18. Jahrhunderts ausweist. Er teilte mit Christoph Willibald Gluck die Überzeugung, dass die Musik dem Drama dienen müsse und nicht umgekehrt, und setzte diese Prinzipien oft parallel oder sogar vor Gluck in die Praxis um.
Charakteristisch für Traettas Reformopern sind:
Zu seinen bedeutendsten Werken zählen neben den genannten *Ifigenia in Tauride* (1763, Parma), *Armida* (1761, Parma), *Sofonisba* (1762, Parma) und *Didone abbandonata* (1757, Venedig). Seine Zusammenarbeit mit Reformlibrettisten wie Marco Coltellini, aber auch seine eigenständige Interpretation Metastasianischer Texte, zeugen von seinem innovativen Geist.
Bedeutung und Nachwirkung
Tommaso Traetta ist eine Figur von immenser musikgeschichtlicher Bedeutung. Er gilt nicht nur als einer der wichtigsten Repräsentanten der Neapolitanischen Schule, sondern vor allem als ein entscheidender Wegbereiter der Opernreform, dessen ästhetische und kompositorische Errungenschaften oft zu Unrecht im Schatten Glucks standen. Seine Werke in Parma und Wien (wo er kurzzeitig nach Glucks Abreise wirkte, u.a. mit *Germanico in Germania* 1770) zeugen von einem tiefen Verständnis für die Anforderungen des musikalischen Dramas und einem konsequenten Streben nach theatralischer Wahrheit.
Traetta trug maßgeblich dazu bei, die Opera seria von ihren statischen Konventionen zu befreien und ihr eine neue dramatische Dynamik zu verleihen. Seine Betonung der szenischen Einheit, der Rolle des Chores und des Orchesters sowie der psychologischen Glaubwürdigkeit der Figuren beeinflusste nicht nur Gluck, sondern auch nachfolgende Komponistengenerationen bis hin zu Mozart. Die Wiederentdeckung und Wiederaufführung seiner Opern im 20. und 21. Jahrhundert haben seinen Rang als einen der innovativsten und einflussreichsten Opernkomponisten des 18. Jahrhunderts eindrucksvoll bestätigt.