Schönberg, Arnold (Samuel)

*13. September 1874, Wien – †13. Juli 1951, Los Angeles

Leben

Arnold Schönberg, geboren als Arnold Franz Walter Schönberg in Wien, war ein weitestgehend autodidaktischer Komponist, Musiktheoretiker und Maler. Seine frühen musikalischen Studien beschränkten sich auf Geigen- und Cellounterricht sowie ein kurzes Engagement bei seinem späteren Schwager Alexander von Zemlinsky, der ihn in Kontrapunkt unterwies. Trotz fehlender formaler Ausbildung entwickelte Schönberg eine bemerkenswerte Meisterschaft in Komposition und Theorie. Seine frühen Werke sind tief in der spätromantischen Tradition verwurzelt, zeugen jedoch bereits von einem innovativen Geist und einer intensiven emotionalen Ausdruckskraft.

Um 1908 vollzog Schönberg eine radikale Wende: Er löste sich von der Tonalität und begann, atonale Musik zu komponieren. Diese Phase, die oft als „freie Atonalität“ bezeichnet wird, zeichnet sich durch das Fehlen eines harmonischen Zentrums aus und führte zu Werken von immenser Expressivität und Dichte. In den frühen 1920er Jahren entwickelte er die Zwölftontechnik (Dodekaphonie), eine Methode zur Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen, die ihm und seinen Schülern, insbesondere Alban Berg und Anton Webern, neue Wege der musikalischen Strukturierung eröffnete.

Schönbergs akademische Laufbahn umfasste Lehrtätigkeiten in Wien und Berlin. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten zwang den jüdischen Komponisten 1933 zur Emigration, zunächst nach Frankreich, dann in die Vereinigten Staaten, wo er seine Karriere als angesehener Lehrer und Komponist fortsetzte, unter anderem an der University of California, Los Angeles (UCLA). In Amerika passte er seinen Namen an und kehrte in einigen Werken sogar zu tonaleren Ansätzen zurück, ohne jedoch seine grundlegenden Prinzipien aufzugeben. Schönberg verstarb 1951 in Los Angeles, Kalifornien.

Werk

Schönbergs Œuvre lässt sich in drei Hauptphasen gliedern:

1. Spätromantische Phase (bis ca. 1908): Geprägt von einem erweiterten tonalen Vokabular und einer reichen, oft expressiven Harmonik, die Wagner, Brahms und Mahler widerspiegelt. Hauptwerke dieser Periode sind das Streichsextett *Verklärte Nacht* (1899), die symphonische Dichtung *Pelleas und Melisande* (1903) und die monumentalen *Gurre-Lieder* (begonnen 1900, vollendet 1911).

2. Atonale Phase (ca. 1908–1921): In dieser Periode löst sich Schönberg vollständig von der Dur-Moll-Tonalität. Die Musik ist oft von großer Dichte, Dissonanz und psychologischer Intensität. Exemplarisch hierfür stehen die *Drei Klavierstücke op. 11* (1909), das Melodram *Pierrot Lunaire op. 21* (1912) und die Monodramen *Erwartung op. 17* (1909) sowie *Die glückliche Hand op. 18* (1913).

3. Zwölftonphase (ab ca. 1923): Nach einer Periode des Suchens entwickelte Schönberg die Zwölftontechnik, die eine neue Methode der Organisation atonaler Musik darstellte. Wichtige Werke sind die *Suite für Klavier op. 25* (1923), die *Variationen für Orchester op. 31* (1928), das *Violinkonzert op. 36* (1936), das *Klavierkonzert op. 42* (1942) und die Oper *Moses und Aron* (unvollendet, begonnen 1930). Auch spätere tonale oder quasi-tonale Werke wie die *Kammersymphonie Nr. 2 op. 38* (begonnen 1906, vollendet 1939) oder *A Survivor from Warsaw op. 46* (1947) zeugen von seiner stilistischen Breite.

Neben seinen kompositorischen Werken verfasste Schönberg wegweisende musiktheoretische Schriften, darunter die *Harmonielehre* (1911) und *Grundlagen der musikalischen Komposition* (posthum veröffentlicht), die seine musikalischen Prinzipien detailliert darlegen.

Bedeutung

Arnold Schönbergs Bedeutung für die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts ist epochal. Er gilt als der zentrale Pionier der Atonalität und als Erfinder der Zwölftontechnik, die die gesamte europäische und nordamerikanische Kunstmusik nachhaltig beeinflusste. Seine revolutionären Ideen stellten die traditionellen tonalen Ordnungen, die über Jahrhunderte gültig waren, in Frage und eröffneten Komponisten neue, radikale Ausdrucksmöglichkeiten.

Als Gründerfigur der Zweiten Wiener Schule prägte er eine Generation von Komponisten, die seinen Ansatz adaptierten und weiterentwickelten. Auch wenn die Zwölftontechnik später von einigen Komponisten kritisch betrachtet oder modifiziert wurde, ist ihr Einfluss auf die serielle Musik und die Musiktheorie unbestreitbar. Schönberg war nicht nur ein genialer Komponist und Theoretiker, sondern auch ein charismatischer Lehrer, dessen Pädagogik Generationen von Musikern prägte. Sein Werk ist ein bleibendes Zeugnis für künstlerischen Mut, intellektuelle Rigorosität und die unaufhörliche Suche nach neuen musikalischen Ausdrucksformen, die die Grenzen des Hörbaren und Denkbaren erweitern.