Leben

Torgeir Augundsson wurde um 1801 (oft auch 1802 genannt) in Sauherad, Telemark, Norwegen, geboren. Als Sohn eines Müllers erhielt er den Spitznamen "Myllarguten", unter dem er weitaus bekannter wurde als unter seinem bürgerlichen Namen. Schon früh zeigte er eine außergewöhnliche Begabung für die Hardangerfiedel (hardingfele), ein Instrument, das er sich größtenteils autodidaktisch aneignete. Er entwickelte einen unverwechselbaren, kraftvollen und hochvirtuosen Stil, der von rhythmischer Präzision und reicher Ornamentik geprägt war.

Myllarguten reiste ausgiebig durch Norwegen, trat bei Festen und Hochzeiten auf und maß sich in legendären Wettstreiten mit anderen Fiedlern. Eine der bekanntesten Begegnungen war sein musikalischer Wettstreit mit dem international gefeierten klassischen Geiger Ole Bull um 1837, möglicherweise in Bergen oder Christiania (dem heutigen Oslo). Bull, tief beeindruckt von Myllargutens Kunstfertigkeit und der urtümlichen Kraft seiner Musik, erkannte die einzigartige Qualität der norwegischen Volksmusik und wurde zu einem ihrer prominentesten Förderer. Trotz seines Ruhmes und seiner Anerkennung führte Myllarguten ein oft bescheidenes Leben, gezeichnet von finanziellen Schwierigkeiten. Er starb 1872 in Rauland, Telemark.

Werk

Myllargutens "Werk" im klassischen Sinne besteht nicht aus schriftlich fixierten Kompositionen, sondern aus einer immensen Sammlung von Slåtter (Tanzstücken) für die Hardangerfiedel, die er improvisierte, variierte und perfektionierte. Er war primär ein Schöpfer im Geiste der mündlichen Überlieferung, dessen Innovationen und Interpretationen viele traditionelle Melodien neu belebten oder ganz neue schufen. Er gilt als derjenige, der den Telemark-Stil des Hardangerfiedelspiels auf ein neues Niveau technischer Brillanz und künstlerischer Ausdruckskraft hob.

Viele seiner Slåtter, wie zum Beispiel "Myllargutens brudemarsj" (Myllargutens Hochzeitsmarsch) oder "Fossegrimen", sind heute feste Bestandteile des Repertoires und wurden von späteren Generationen von Fiedlern und Forschern gesammelt und notiert. Sein Spiel war bekannt für seine komplexe Bogenführung, die Verwendung von Doppelgriffen und eine tiefe, mitreißende Emotionalität. Er prägte die melodische und harmonische Struktur unzähliger Stücke und legte damit einen Grundstein für das moderne Hardangerfiedelspiel.

Bedeutung

Die Bedeutung Torgeir Augundssons für die norwegische Musikkultur ist kaum zu überschätzen. Er ist:

  • Der Übervater des modernen Hardangerfiedelspiels: Seine technischen und stilistischen Innovationen setzten Maßstäbe und beeinflussten Generationen von Fiedlern, insbesondere in der Region Telemark. Er festigte und erweiterte das Repertoire und die Spielweise, die bis heute als Referenz gelten.
  • Eine Ikone der norwegischen Nationalromantik: In einer Zeit des aufkommenden norwegischen Nationalbewusstseins wurde Myllarguten zu einem Symbol für die Authentizität und ursprüngliche Kraft der norwegischen Kultur. Seine Musik repräsentierte das Ungezähmte und Echte, das im Kontrast zur dänischen oder schwedischen kulturellen Hegemonie stand. Seine Gestalt inspirierte Schriftsteller, Maler und Musiker und festigte die Rolle der Volksmusik im nationalen Diskurs.
  • Brückenbauer zwischen Volks- und Kunstmusik: Seine legendäre Begegnung mit Ole Bull trug maßgeblich dazu bei, die norwegische Volksmusik aus ihrer lokalen Nische herauszuheben und ihre künstlerische Wertigkeit auch in klassischen Kreisen anzuerkennen. Dies ebnete indirekt den Weg für Komponisten wie Edvard Grieg, die norwegische Volksmelodien und -harmonien in ihre eigenen Werke integrierten.
  • Ein bleibender kultureller Held: Myllargutens Leben und Wirken sind tief im kollektiven Gedächtnis Norwegens verankert. Er wird als Inbegriff des Spellemann (Fiedlers) gefeiert, dessen Erbe in zahlreichen Festivals, Wettbewerben und musikalischen Darbietungen fortlebt. Seine Melodien sind nicht nur historische Zeugnisse, sondern lebendige Kunstwerke, die bis heute das Herz der norwefgischen Volksmusik bilden.