Leben
Franz Aspelmayr wurde am 2. April 1728 in Wien geboren und entstammte einer Familie von Hofbediensteten; sein Vater war ebenfalls Violinist in der Hofkapelle. Seine musikalische Ausbildung erhielt er in seiner Heimatstadt. Bereits 1750 trat Aspelmayr als Violinist in die Wiener Hofkapelle ein. Seine Karriere entwickelte sich rasch, und um 1761 wurde er zum Kaiserlichen Kammerkomponisten und – noch bedeutsamer – zum Ballettkomponisten am Burgtheater ernannt. Diese Position brachte ihn in engen Kontakt mit dem revolutionären Choreografen Gasparo Angiolini, mit dem er eine fruchtbare Zusammenarbeit pflegte, die maßgeblich zur Entwicklung des modernen Balletts, des sogenannten *ballet d'action*, beitrug. Aspelmayr blieb zeitlebens in Wien und verstarb dort am 29. Juli 1786, kurz vor dem Höhepunkt der Wiener Klassik.Werk
Aspelmayrs kompositorisches Schaffen ist breit gefächert, konzentriert sich jedoch primär auf die Instrumentalmusik und das Ballett. Er hinterließ über 50 Sinfonien, die zumeist handschriftlich überliefert sind und den Übergang vom Spätbarock und dem galanten Stil zur frühen Wiener Klassik exemplarisch abbilden. Seine Sinfonien zeichnen sich durch klare, meist homophone Strukturen und melodischen Charme aus, zeigen aber auch Ansätze dramatischer Gestaltung, die an den *Sturm und Drang* erinnern.Ein weiterer wichtiger Werkbereich sind seine Kammermusikkompositionen, darunter sechs Streichquartette op. 1 und op. 2, die 1765/1766 in Paris publiziert wurden. Diese Werke sind frühe Beispiele für das sich entwickelnde Streichquartett und zeigen bereits eine Tendenz zur Gleichberechtigung der Stimmen, auch wenn die erste Violine oft noch die dominante Rolle spielt. Zudem komponierte er Trio-Sonaten, Divertimenti und Kassationen.
Als Ballettkomponist war Aspelmayr außerordentlich produktiv und innovativ. Zusammen mit Angiolini schuf er wegweisende Werke wie *Sémiramis* (1765) oder *Roger et Bradamante* (1767), die die traditionelle, rein dekorative Form des Balletts aufbrachen und eine dramatische Handlung in den Mittelpunkt stellten. Auch wenn Gluck für das berühmte Ballett *Don Juan* (1761) oft allein genannt wird, so war Aspelmayr maßgeblich an der Gestaltung der Musik und der Aufführung dieser richtungsweisenden Produktion beteiligt. Sein Beitrag zum *ballet d'action* ist von großer musikhistorischer Bedeutung.
Bedeutung
Franz Aspelmayr nimmt eine wichtige, wenn auch oft unterschätzte Position in der Musikgeschichte Wiens im 18. Jahrhundert ein. Er war kein Revolutionär wie Mozart oder Beethoven, aber ein gewissenhafter und talentierter Komponist, der die musikalische Entwicklung seiner Zeit maßgeblich mitgestaltete. Seine Musik bietet einen unschätzbaren Einblick in die Stilwandlung vom galanten hin zum frühklassischen Idiom und zeigt die Einflüsse der Mannheimer Schule sowie früher Wiener Meister wie Georg Christoph Wagenseil und Matthias Georg Monn.Als Ballettkomponist war er ein zentraler Akteur in der Reform des Balletts und trug dazu bei, Wien zu einem Zentrum der künstlerischen Innovation zu machen. Seine Instrumentalwerke, insbesondere seine Sinfonien und Streichquartette, sind wichtige Dokumente auf dem Weg zur Etablierung der Gattungen, die später von Haydn und Mozart zur Perfektion gebracht wurden. Aspelmayrs Musik ist vielleicht nicht immer von der tiefgreifenden Dramatik oder harmonischen Komplexität seiner berühmteren Nachfolger, doch sie überzeugt durch ihre melodische Anmut, formale Klarheit und ihre Fähigkeit, den Geschmack und die ästhetischen Ideale des vor-klassischen Wiens widerzuspiegeln. Er ist ein exemplarischer Vertreter der Generation, die das Fundament für die goldene Ära der Wiener Klassik legte.