Leben und Entstehung
Domenico Cimarosa wurde am 17. Dezember 1749 in Aversa bei Neapel geboren und entstammte einfachen Verhältnissen. Seine musikalische Begabung wurde früh erkannt, was ihm den Zugang zum renommierten Conservatorio di Santa Maria di Loreto in Neapel ermöglichte. Dort wurde er von 1761 bis 1771 in Komposition, Gesang und Instrumentallehre von bedeutenden Lehrern wie Niccolò Piccinni, Antonio Sacchini, Giuseppe Fenaoli und Fedele Fenaroli unterrichtet. Diese intensive Ausbildung prägte sein musikalisches Fundament und seine Affinität zur neapolitanischen Opernschule.
Sein Operndebüt gab Cimarosa 1772 mit der Opera buffa *Le stravaganze del conte* in Neapel, die sofort Erfolge feierte und den Grundstein für eine äußerst produktive Karriere legte. In den folgenden zwei Jahrzehnten komponierte er eine beeindruckende Anzahl von Opern für führende italienische Theater in Neapel, Rom und Venedig, wobei er schnell zu einem der gefragtesten Komponisten Italiens avancierte.
Cimarosas internationaler Ruhm führte ihn 1787 nach St. Petersburg, wo er als Hofkapellmeister und Komponist der Kaiserin Katharina der Großen diente. Seine vierjährige Amtszeit in Russland, die er zur Komposition zahlreicher Werke nutzte, wurde von einer Europareise unterbrochen, die ihn auch in die habsburgischen Erblande führte. 1792 trat er die Nachfolge Antonio Salieris als Hofkapellmeister am Hofe Kaiser Leopolds II. in Wien an. In dieser produktiven Phase entstand sein größtes Meisterwerk, *Il matrimonio segreto* (Die geheime Heirat), das noch im selben Jahr uraufgeführt wurde und einen triumphalen Erfolg feierte, der sich in einer sofortigen Wiederholung der gesamten Oper auf kaiserlichen Befehl manifestierte.
Nach dem Tod Leopolds II. kehrte Cimarosa 1793 nach Neapel zurück, wo er erneut als Hofkomponist und Direktor des Konservatoriums tätig war. Seine letzten Jahre waren jedoch von politischen Turbulenzen überschattet. Seine Sympathien für die pro-französischen Jakobiner während der kurzlebigen Parthenopäischen Republik (1799) führten zu seiner Verhaftung und kurzzeitigen Inhaftierung durch die restaurierte Bourbonen-Monarchie. Erst durch Intervention einflussreicher Gönner wurde er freigelassen und verließ Neapel, um nach Venedig zu gehen. Dort verstarb Domenico Cimarosa am 11. Januar 1801, während er an der Oper *Artemisia* arbeitete.
Werk und Eigenschaften
Cimarosas umfangreiches Œuvre umfasst schätzungsweise über 70 Opern (hauptsächlich *opera buffa*, aber auch *opera seria*), daneben Oratorien, Kantaten, Messen, Requien und diverse Instrumentalwerke. Sein dominierendes Genre war die *opera buffa*, in der er eine unerreichte Meisterschaft zeigte.
Charakteristisch für Cimarosas Stil sind:
Andere bedeutende Opern sind *L'Italiana in Londra* (1778), *Gli Orazi e i Curiazi* (1796), eine seiner erfolgreichsten Opernserien, und *Le astuzie femminili* (1794).
Bedeutung
Domenico Cimarosa war zu seinen Lebzeiten einer der meistgefeierten und populärsten Opernkomponisten Europas. Er repräsentierte die reife Phase der neapolitanischen Opernschule und bildete eine wichtige Brücke zwischen dem Barock und der aufkommenden Romantik, ohne jedoch selbst die kühnen harmonischen oder dramatischen Innovationen Mozarts oder Glucks zu suchen.
Seine Bedeutung liegt in der Perfektionierung und stilistischen Verfeinerung der *opera buffa*. Er brachte dieses Genre zu einem Höhepunkt an Anmut, Charme und musikalischer Finesse, der von späteren Komponisten wie Gioachino Rossini in seiner eigenen Art weiterentwickelt wurde. Rossini bewunderte Cimarosa und baute auf dessen Errungenschaften, insbesondere in Bezug auf melodische Invention und die Struktur der Ensembleszenen.
Obwohl Cimarosa im 19. Jahrhundert etwas in den Schatten Mozarts und der romantischen Oper geriet, wird seine Kunst im 20. und 21. Jahrhundert zunehmend wiederentdeckt und geschätzt. Seine Musik strahlt eine zeitlose Eleganz, Leichtigkeit und eine tiefempfundene Menschlichkeit aus, die sie bis heute relevant macht. Cimarosa bleibt eine zentrale Figur in der Geschichte der italienischen Oper, dessen Werke das *galante* Ideal und den frühen Klassizismus in einer Weise verkörpern, die für die Entwicklung des Genres von entscheidender Bedeutung war.