Leben/Entstehung

Die Kantate BWV 128, "Auf Christi Himmelfahrt allein", wurde von Johann Sebastian Bach für den Himmelfahrtstag des Jahres 1725 in Leipzig komponiert. Sie ist Teil seines zweiten jährlichen Kantatenzyklus, der sogenannten Choralkantaten-Zyklus, der in den Jahren 1724/25 entstand. In diesem Zyklus stand jeweils ein lutherischer Kirchenchoral im Mittelpunkt, dessen Strophen in den Außensätzen unverändert vertont und dessen Inhalt in den Innensätzen von einem unbekannten Librettisten paraphrasiert wurde. Die Kantate wurde am 10. Mai 1725, dem Himmelfahrtstag jenes Jahres, in der Leipziger Thomaskirche oder Nikolaikirche uraufgeführt. Der namensgebende Choral "Auf Christi Himmelfahrt allein" von Matthäus Avenarius aus dem Jahr 1668 bildet die textliche und musikalische Grundlage des Werkes und thematisiert die Bedeutung der Himmelfahrt Christi für die Gläubigen.

Werk/Eigenschaften

BWV 128 ist eine feierliche Choralkantate in fünf Sätzen, die eine klangprächtige Besetzung vorsieht, um der Bedeutung des Festtages gerecht zu werden. Das Orchester umfasst drei Trompeten, Pauken, zwei Oboen, Oboe da caccia, zwei Violinen, Viola und Basso continuo. Die Vokalsoli sind für Sopran, Tenor und Bass vorgesehen, ergänzt durch einen vierstimmigen Chor.

1. Chor: Der Eingangschor ist eine prunkvolle Choralfantasie im strahlenden D-Dur. Der Chor trägt die erste Strophe des Chorals im Sopran vor, während die anderen Stimmen in reicher Polyphonie den Gesang umranken. Die drei Trompeten und Pauken verleihen diesem Satz einen triumphalen, festlichen Charakter, der die Majestät und den Jubel der Himmelfahrt zum Ausdruck bringt. 2. Aria (Tenor): Die Tenorarie "Auf, auf, mit hellem Schall" ist ein virtuoses und kriegerisches Stück, das von den drei Trompeten und Pauken begleitet wird. Sie schildert den siegreichen Aufstieg Christi mit musikalisch-rhetorischen Figuren, die an Fanfaren erinnern und die triumphale Rückkehr des Herrn in den Himmel glorifizieren. 3. Recitativo (Bass): Ein kurzes, rezitativisches Zwischenspiel für Bass, das die theologische Reflexion über die Himmelfahrt vertieft und zur nächsten Arie überleitet. 4. Aria (Sopran, Tenor): Das Duett "Sein Allmacht zu ergründen" ist ein intimerer Satz, der sich von der Pracht der vorhergehenden Sätze abhebt. Die Stimmen von Sopran und Tenor verschmelzen über einer obligaten Oboe da caccia, die einen warmen, lyrischen Klangteppich webt. Dieser Satz thematisiert die Unbegreiflichkeit und doch spürbare Nähe von Gottes Allmacht. 5. Choral: Den Abschluss bildet eine schlichte, vierstimmige Vertonung der dritten Strophe des Chorals "Auf Christi Himmelfahrt allein", die dem Werk einen würdigen und erhebenden Abschluss verleiht und die Botschaft des Feiertages noch einmal zusammenfasst.

Bedeutung

BWV 128 ist ein herausragendes Beispiel für Bachs Meisterschaft im Umgang mit der Choralkantatenform und seinem Talent, theologische Inhalte in tiefgründige und klangvolle Musik zu übersetzen. Die Kantate zählt zu den wichtigsten Kompositionen für den Himmelfahrtstag und spiegelt die theologische Bedeutung dieses Festes wider: Sie feiert nicht nur Christi Erhöhung, sondern auch die Hoffnung und den Trost, den die Gläubigen daraus schöpfen. Die Kombination aus festlicher Pracht und inniger Reflexion macht das Werk zu einem emotional vielschichtigen Erlebnis. Insbesondere der beeindruckende Eingangschor und die virtuose Tenorarie sind Höhepunkte, die die kompositorische Brillanz Bachs unter Beweis stellen und bis heute das Publikum faszinieren. Die Kantate ist ein fester Bestandteil des Bach'schen Repertoires und wird regelmäßig in Konzerten und Gottesdiensten aufgeführt.